Sonntag, 12. März 2017

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Mal ein paar Worte, weil anscheinend immer noch Leute glauben, ich stampfe täglich dreimal mit dem Fuß auf und schreie "MIMIMI!!" wegen den Tweets letzten Mittwoch. Weil 140 Zeichen einfach zu wenig sind, egal wie viele davon man aneinander hängt.

Antwort: Nö - die waren nur der allerletzte Tropfen in einem übervollen Fass, dessen Oberflächenspannung bereits kurz vorm Zerbersten war. Fakt ist stattdessen - und es ist mir fürs Erste egal, ob das zuviel TMI ist: Mir geht es absolut nicht gut. Und der Handvoll Leute, die überhaupt gemerkt hat, dass ich aktuell fast überall ein Schloss vorgemacht habe und größtenteils die Klappe halte, erzähle ich hier die Gründe.

Laut einer Person, die ich mittlerweile aussortiert habe, habe ich absolut kein Recht dazu, mich scheiße, traurig, wütend oder depressiv zu fühlen, nur weil ich jetzt mehr verdiene als vorher. "Halt die Fresse und guck auf deinen Kontostand, andere verdienen weniger für noch mehr Stress."

Das. Ist. Vollkommen. Hirnverbrannter. SCHWACHSINN HOCH ZEHN!!




Erstens drücke ich ab jetzt 500€ monatlich an die Rückzahlung meines Studienkredites ab, da auch ich überraschenderweise nicht mit steinreichen Eltern gesegnet bin, und bin unterm Strich absolut nicht wohlhabend. Ich arbeite aktuell größtenteils dafür, um mich wieder "freizukaufen" und nebenbei meine Miete sowie Grundbedürfnisse zu bezahlen.

Zweitens kann man in einigen Fällen den Faktor "Leid" nicht einfach so pauschalisiert vergleichen und ranken. Wer bereits eine gewisse Grundbelastung angesammelt hat und sich nie wirklich erholen konnte, dessen Belastbarkeit nimmt zwangsläufig immer weiter ab. Wer darüber hinaus noch zahlreiche andere Stressfaktoren im Leben hat... nun ja, ihr könnt es euch ab 10% Empathie aufwärts vielleicht denken.

Über mein Gehalt würde ich nie meckern. Stattdessen bedaure ich es, dass ich aktuell teilweise genauso viel Stress habe wie bei meinem alten Arbeitgeber, den ich genau wegen so etwas verlassen habe.
Dass ich körperlich jede Woche mehr abbaue.
Dass ich phasenweise absolut heftige Schlafstörungen habe.
Dass ich jeden Mist im Hinterkopf mit mir herumschleppe und nicht einfach abschalten kann, worunter alle meine Hobbies leiden.
Dass sich die Arbeitswoche zieht wie Kaugummi, wohingegen das Wochenende mit einem Fingerschnipsen um ist, und weswegen ich außer Hausarbeit und platt rumsitzen nie wirklich viel schaffe.
Dass ich mich mehrfach täglich frage: "Soll es das gewesen sein? So geht's jetzt weiter, bis du in Rente gehen kannst?"
Dass ich - weil die Miete im Randgebiet billiger ist - täglich drei Stunden nur im öffentlichen Nahverkehr verbringe.
Dass ich täglich in eine Wohnung zurück komme, in der seit einem Dreivierteljahr unausgepackte Umzugskartons stehen, weil Möbel verdammt teuer sind, man ohne Rücklagen nicht einfach alle auf einmal kaufen kann und andere Dinge erstmal Prio 1 belegten und ebenfalls mühsam angespart werden mussten.
Dass ich ergo keinen Ort habe, an dem ich mich wirklich zu 100% wohl fühle.
Dass ich ehrlich gesagt seit Jahren keinen Ort hatte, an dem ich mich wirklich zu 100% wohl fühle. Dieser hier käme nah ran, wäre er näher am Geschehen dran und würde nicht zur Hälfte aussehen wie ein Lagerraum.
Dass letztes Jahr was passiert ist, was mich immer noch extrem belastet, und mich vermutlich auch nicht so schnell loslässt.
Dass ich Leute im Nacken hatte, die bespaßt werden wollen, weil sie nicht raffen, wie es mir geht - obwohl ich sowas mehrfach offen gesagt habe und man selbst auf Twitter mit einem IQ, der höher als der einer Scheibe Toast ist, gemerkt haben dürfte, dass ich mein Limit erreiche.
Dass Freunde beleidigt waren, wenn ich mich nicht tagtäglich mit ihrem Leben beschäftigt habe, weil ich selbst nicht mal genug Kopf für mein eigenes habe.
Dass andere Freunde sich mies fühlten, weil sie außer ein paar netten Worten nichts für mich tun konnten.
Dass teils gänzlich Unbeteiligte einfach saudumme Sprüche abgelassen haben, wenn es am wenigsten angebracht war.

Die letzten vier Punkte sind in der Vergangenheitsform geschrieben, weil ich mich darum gekümmert habe - auf eine Art, die die ist, die alle Beteiligten verdienen, auch wenn sie nicht die sein mag, die sie brauchen.




Jemand meinte gestern zu mir, ich "sei ein Gewinn für jeden, der mich kennt". Erstens scheinen das einige Leute nicht ganz deckungsgleich zu betrachten, und zweitens würde ich das aktuell auch selbst keineswegs so unterschreiben. Man muss mich schon arg lieben oder ein krasser Masochist sein, um mein unverstelltes Ich zur Zeit total toll zu finden. Ich bin gerade ein sehr, sehr müder und zynischer Mensch, der etwas zu oft seine Laune an seiner Umwelt auslässt, weil er keine Energie mehr hat und der deswegen auch keinen tollen Onlinecontent produzieren kann.

Und der sich deswegen zum Großteil online zurückzieht und aus Eigen- und Fremdschutz Leute wegschubst. Zum Beispiel, indem man bei allen Messengern, bei Skype und bei Facebook nur noch Leute behält, bei denen man sich nicht unwohl fühlt, wenn es um das Ansprechen bestimmter Dinge geht. Leute, die verstehen, wie es einem geht, und/oder genug Energie und konstruktive Empathie haben. Leute, die sich durch einen selbst nicht schlechter fühlen, und durch die man sich auch nicht schlechter fühlt.

Meine aktuellen digitalen Komfortzonen sind Steam, Goodreads und Instagram, einfach weil die auch mit meinen Hobbies verknüpft sind. Auch hier habe ich allerdings dicht gemacht und aussortiert - genau wie auf den üblichen Plattformen. Auf meinem SWtoR-Twitter treibe ich mich ebenfalls noch rum, einfach, weil ich dort nicht die Masse an Replies produzieren kann, wie auf dem Hauptaccount. Vielleicht liegt es an meinem derzeitigen, nahezu nicht existenten Nervenkostüm. Aber ich hatte in letzter Zeit das Gefühl, ich konnte schreiben was ich wollte - irgendwer war immer angepisst oder hat es als Gelegenheit für blöde Sprüche gesehen. Generell scheint der Großteil auch nicht zu raffen, wenn ich mal etwas todernst meine. Weil ich ja sonst auch immer so lustig sarkastisch bin, hihihi.

Ich bin mir ziemlich sicher, ich könnte auf dem Acid-Account auch völlig ernst gemeint twittern, dass ich mir gleich die Birne wegschieße, und es würde Favs und blöde Replies hageln. Ist ja nur Acid, die reagiert doch immer so. Die kann das ab. Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus!

So ein Echo möchte ich gerade nicht. Ich brauche eine gewisse Bubble, um "Selfcare" betreiben zu können, während ich weiterhin die ganze andere Scheiße mit mir herumschleppe. Ich möchte mich nicht auch noch auf sozialen Plattformen über Leute ärgern oder aber krampfhaft den Mund halten müssen. Ich will mich zur Entspannung und Ablenkung einloggen, und nicht auch noch dort Schadensbegrenzung betreiben müssen oder aber noch mehr den Glauben an die Menschheit verlieren.

Vielleicht schreibe ich ab und zu mal einen Blogpost.

Vielleicht lasse ich es aber auch, bis es mir wieder besser geht und ich Luft zum Atmen habe.




(Wenn es hierunter oder unter der automatischen Twitterverlinkung gemeine oder einfach nur blöde Sprüche geben sollte, dann verlässt mich übrigens wirklich der allerletzte Glauben an meine Leser und Follower.)