Dienstag, 3. Juni 2014

Kunden aus der Hölle oder: der Arsch vom Dienst

Möp.
Ich dachte mir, ich lasse mal wieder alle potentiell Interessierten an meinen geistigen Ergüssen in Schriftform teilhaben.

Wie ihr vielleicht mal mitbekommen habt, habe ich jahrelang nebenjobmäßig im Einzelhandel gearbeitet, und hatte am Samstag meine vorerst letzte Schicht im bis dato letzten, menschenentwürdigenden Minijob.

... Einzelhandel.
... EINZELHANDEL.
Durch das Wort alleine stellen sich bei mir schon die Nackenhaare auf. Brrr! Nee, echt jetzt. Ich meine, klar - der Einzelhandel ist notwendig und praktisch, weil man ja irgendwie an Nahrungsmittel, Kleidung und sonstige Konsumgüter kommen muss.

...ABER!
Wenn man, weil sich kein Bürojob oder sonstwas entspanntes auftut, plötzlich in einem billigen Poloshirt Regale einräumt und/oder hinter der Kasse steht und sich von Kunden anblöken lassen muss, die zu dumm zum lesen sind, dann sieht die Welt plötzlich ein ganz kleines bisschen düsterer und albtraumhafter aus! Ich gehe einfach mal durch alle Grausamkeiten, die mir so einfallen...


Die Arbeitskleidung

Arbeitskleidung im Verkauf besteht grundsätzlich aus einem billigen, dicken Poloshirt in hässlichen Signalfarben. Ganz selten mal aus einem hellen Kittel. Dadurch ist erstens bereits umgehend dafür gesorgt, dass du dir wie der letzte Bob vorkommst. Und zweitens schwitzt du in den Dingern im Sommer derartig, dass du im Prinzip alle paar Stunden das Shirt wechseln musst, willst du nicht alle Leute durch extrem sichtbare, exorbitante Schweiß-Sturzbäche verschrecken. (Bonus wenn man eine Frau ist: Die Boobies werden durch das strategisch besonders ungünstig platzierte Namensschild samt Stifthalter derart betont, dass einem 80% der männlichen Kunden [und ein paar weibliche] erstmal dorthin gaffen.)

Sofern du nicht auch Hosen gestellt bekommst, ruinierst du dir übrigens schön eine eigene Jeans nach der anderen, weil du permanent damit beschäftigt bist, vor Regalen zu knien, auf Leitern zu steigen, auf dem Boden herumzurobben oder dir den Stoff sonstwie kaputtzureiben.

Die Ware 

Da du selbst keine fachliche Ausbildung für das jeweilige Warensegment absolviert hast, hast du als einfache Aushilfe zunächst einmal KEINE VERDAMMTE AHNUNG von der Materie. Das interessiert die Kunden jedoch nicht. Kannst du am ersten Arbeitstag (eventuell gar mit dem freundlichen und entschuldigenden Hinweis auf diesen Fakt!) keine spezifische Frage zu irgendwelchen Inhaltsstoffen, Materialien oder Lieferverfügbarkeiten beantworten, bist du erstmal der Arsch und wirst angepöbelt.

Die Arbeitszeiten

Je nach Laden und Lage sind potentielle Arbeitszeiten im Rahmen von von 07:00 - 23:00 Uhr schon mal Standard. Und arbeitest du beim Bäcker im Verkauf, dann herzlichen Glückwunsch - da kann man schon mal ab 05:00 Uhr mit einer Schicht beginnen, weil eine Stunde lang vorgebacken wird. In meinem letzten Minijob gab's gottseidank nur Öffnungszeiten von 10:00 - 20:00 Uhr.
Du kannst dir sicher sein, dass du nach einer Frühschicht zu müde bist, um noch etwas vom restlichen Tag zu haben, oder gar konzentriert für Schule/Uni zu lernen. Und nach einer Spätschicht fällst du direkt ins Bett und hast überhaupt keine weitere Freizeit mehr an dem Tag. Klingt verlockend, nicht wahr?

Die Kollegen

Verdrücken sich entweder bei entsprechender Berechtigung durchgehend im Lager oder Büro, um Kundenkontakt und Stress zu vermeiden, oder tauchen permanent geisterhaft hinter dir auf, um 20.000 Sachen an deiner Arbeitsweise zu kritisieren. Oder dir zu deinen vier bisherigen Aufgaben noch zusätzliche acht aufzudrücken, die du alle möglichst zeitgleich und möglichst gestern erledigen darfst. WÄHREND du für die Kasse verantwortlich bist. Was mich zum nächsten Punkt bringt...

Das Kassieren

Alle Witze, die du bisher über Omis und Kleingeld gehört hast, sind grundsätzlich WAHR. Sowas von wahr! Aber spätestens, wenn dir die Cent-Stücke ausgehen, weil jeder zweite Kunde etwas für XY € und 99 Cent mit einem glatten Schein bezahlt, bist du auf einmal unglaublich dankbar für diese Omis... es sei denn, hinter ihnen bildet sich eine 20 Meter lange Schlange aus ungeduldigen Kunden, die ihre Gereiztheit an dir auslassen, sobald sie gefühlte drei Jahre später dann mal an der Reihe sind.
Außerdem passieren alle Probleme, die einen Storno, einen Umtausch oder eine Barauszahlung erfordern, grundsätzlich an DEINER Kasse. Immer. Jederzeit. Woraus jedes Mal die eben schon erwähnte wütende Horde ungeduldiger Kunden resultiert. Weswegen du immer nervöser wirst. Weswegen du mehr Fehler machst, die einen Storno erfordern... na, erkennst du ein Muster?

Die Kunden

Zuerst wollte ich mir tatsächlich die Mühe machen, verschiedene Arten von Kunden aufzulisten und Tipps und Tricks zu teilen, wie man mit denen umgehen kann. Aber vergiss es. Im Grunde kannst du gar nichts richtig machen, irgendwie bist du am Ende IMMER Schuld, egal worum es geht. Ab und zu gibt es jedoch positive Ausnahmen - Menschen, die so nett und verständnisvoll und voller Humor sind, dass sie einem die ganze Schicht retten <3
...oder zumindest die nächste halbe Stunde. Du weißt schon, bis der nächste AK (Arschlochkunde) kommt.


Abschließend kann ich nur um eines bitten: Wenn ihr das nächste Mal an einer Kasse steht, denkt bitte kurz darüber nach bevor ihr eure schlechte Laune an jemandem auslasst, der höchstwahrscheinlich gar nichts für die Situation kann. In 90% aller Fälle ist ein Kunde vor euch Schuld, dass der Kassenverkehr stockt, und nicht "die dumme Barcodeschubse". Es sei denn, sie ist neu, und dann sollte man Verständnis haben. Seit ich weiß, wie es auf der anderen Seite vom Tresen aussieht, wenn man total überfordert ist mit einem Haufen mies gelaunter Leute vor Augen, bin ich immer extra nett zu Kassierern :) #WortZumSonntag